Trails - Part 3 - Selati

Selati liegt im Herzen des Greater Kruger Area und ist ein privates Big 5 Game Reserve. Hier fanden unsere letzten 2 Wochen des Trails-Kurses statt, die hauptsächlich der Prüfungsvorbereitung und den anschließenden Assessments dienten. Der Tagesablauf kam uns schon bekannt vor: 5:30 Aufstehen, 6:30 Morning Walk, zwischen 10-12 Uhr Brunch, anschließend Lectures und ab 15:30 der Afternoon Walk. Dinner gab es dann um 19 Uhr, bevor man den Tag am Lagerfeuer ausklingen liess. Ihr seht, viel Zeit zum Lernen bleibt da nicht! Und doch galt es, ein dickes Workbook mit vielen Fragen zum Unterrichtsstoff zu füllen und den Inhalt zu verinnerlichen. Jede freie Minute wurde also dazu benutzt, das Workbook pünktlich zum Abgabetermin fertig zu kriegen, oftmals auch in der Nacht mit Stirnlampe.

3 - 4 Tage waren für das Advanced Rifle Handling reserviert. Dafür sind wir jedes Mal zur Shooting Range ins Moholoholo Game Reserve gefahren. Ich hatte ja bereits im Mai geschossen. Daher kam mir das Meiste bekannt vor. Wir begannen, mit kleinem Kaliber zu schiessen und später mit unserem 0.375 inch, welches wir auf den Walking Safaris benutzen. Systematisch gingen wir noch einmal die relevanten Übungen durch, die auch Bestandteil der Prüfung sind: 1. Laden der Waffe mit verbundenen Augen, 2. 5 Schuss auf ein 12m Ziel ohne Zeitbegrenzung, 3. 3 Schuss auf ein 12m, 8m und 4m Ziel mit Zeitbegrenzung, 4. 3 Schuss auf ein 8m Ziel, wobei ein Schuss ein Misfire ist und wir diese Patrone auswerfen müssen (mit Zeitbegrenzung), 5. 2 Schuss auf ein Büffel-Ziel mit Zeitbegrenzung (Schuss muss zwischen den Augen landen), 6. Lion Charge mit Löwenattrappe. 

Der Lion Charge ist sicherlich die schwierigste Übung, da die Attrappe mit 10 m/s angerast kommt, der Schuss zwischen die Augen landen muss, bevor der Löwe bei Dir ist, und man auch noch die Gäste kontrollieren muss. Daher reichten die Stunden auf dem Schiessplatz allein nicht aus. In Selati haben wir auch noch viele „Dry Drills“ gemacht, damit die Bewegungen in Fleisch und Blut übergehen. Damit baut man ein sogenanntes „Muscle Memory“ auf, das in gefährlichen Situationen kriegsentscheidend sein kann. Und dann kam die Prüfung. Man steht ganz schön unter Stress, da man nur 2 Versuche pro Übung hat. Trotzdem muss man sehr ruhig und konzentriert sein. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe die Schiessprüfung bestanden und bin sehr stolz darauf!

Die nächsten Tage dienten speziell der Vorbereitung für unser praktisches Assessment, d.h. wir mussten bereits als Assistent Trails Guide fungieren und das selbstverständlich mit Gewehr und Live-Munition. Die Aufgaben reichen angefangen vom Briefing über die Kontrolle der Gruppe während des Walks, Bewirtung während der Pause, Unterstützung des Lead Guides in gefährlichen Situationen, Tragen von allerlei Equipment und vor allem „Situational Awareness“. Das bedeutet, dass man völlig konzentriert ist und alle Geräusche, Spuren, Alarmrufe anderer Tiere sowie sämtliche Hinweise auf die Existenz potentiell gefährlicher Tiere registriert und dem Lead Guide entsprechende Zeichen gibt. Beispielsweise würde man durch die Prüfung fallen, wenn man das Zwitschern von Oxpeckern nicht hört, da diese oft auf Büffeln oder Nashörnern sitzen und deren Anwesenheit ankündigen, obwohl man die Dickhäuter noch nicht sehen oder hören kann. 

Während eines Encounters mit gefährlichen Tieren gilt es, das Verhalten des Tieres richtig zu deuten und die Anweisungen des Lead Guides zu befolgen, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten. Bevor man sich einem Tier nähert, müssen auch ganz viele Umweltfaktoren berücksichtigt werden, die darüber entscheiden, ob eine Annäherung überhaupt zu empfehlen ist (siehe meine letzten Blogbeiträge). Nach jedem Walk als Backup Guide gab es also ein ausgiebiges Debriefing, von dem man viel lernen konnte.

Da ein großer Teil von Selati wegen Jagd gesperrt war (Ja, so etwas gibt es in privaten Reserves), blieb uns leider nur ein Viertel des Game Reserves zum Walken. Daher kam es schon vor, dass wir 2-3 Tage unsere Kaffeepause auf der gleichen Koppie hatten (Thank you, HQ-Koppie :-)).

Für die Vorbereitung der theoretischen Prüfung blieb eigentlich nur der „Study Day“ - einen Tag vor der schriftlichen Prüfung. Es war wie vor 20 Jahren im Studium: Man hat sich das 90-Seiten Workbook an einem Tag „reingeknallt“. Aber alles kam gut: Die Fragen in der Theorie-Prüfung ähnelten sehr den Workbook-Fragen, so dass ich auch diese Hürde erfolgreich genommen habe.

Aber Ausruhen war noch nicht angesagt! 2 Tage später stand bereits das praktische Assessment vor der Tür. Es begann schon damit, dass ein Teil meiner geplanten Route gesperrt wurde. Also: Kurzfristig umplanen! Rucksack packen (First Aid Kit, Klopapier, Funkgerät, Verpflegung für die Gäste nicht vergessen), Gewehr und Munition austragen,...

Beim Briefing habe ich prompt ein paar Sachen vergessen. Dafür war ich danach umso konzentrierter, so dass ich auch diese Prüfung bestanden habe. Insgesamt kam ich alles in allem auf 96% - ein tolles Ergebnis!

Selati ist wie alle Camps nicht umzäunt, so dass die Tiere frei zwischen unseren Zelten rumlaufen konnten. Nyalas hatten wir praktisch immer im Camp. Manchmal auch Elefanten und des Nachts einmal Löwen (wir sahen die Spuren nach dem Aufwachen). Selati besitzt auch eine stattliche Anzahl an White und Black Rhinos, was ungewöhnlich und sehr speziell ist. Einige davon konnten wir auf unseren Walks begegnen.

Nach knapp zwei Wochen war auch schon wieder Abschied angesagt - von Selati, von den Instruktoren und von der Gruppe. Es war ein ganz toller Trails-Kurs!

Jetzt gönne ich mir erst einmal ein paar Tage Urlaub. Denn das nächste Abenteuer steht schon in den Startlöchern: Mein Lodge Placement...


Photo Credits: Thank you to Temujin Tim Johnson, Malte Clavin and Rob the Ranger for some of the photo footage!

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